Beim Filterrohr entscheidet ein halber Millimeter über Erfolg oder Ärger: die Schlitzweite. Sie bestimmt, wie viel Wasser in deinen Brunnen strömt – und wie viel Sand draußen bleibt. Die gute Nachricht: Für die meisten Gartenbrunnen ist die Wahl einfach. Die schlechte: Wenn du danebenliegst, sandet dein Brunnen zu oder liefert zu wenig Wasser, und beides lässt sich nachträglich kaum korrigieren. Hier bekommst du die Faustregeln, mit denen du richtig liegst.
Was die Schlitzweite eigentlich macht
Ein Filterrohr ist der unterste Abschnitt deines Brunnenrohrs: ein PVC-U-Rohr mit feinen, maschinell gefertigten Querschlitzen. Durch diese Schlitze tritt das Grundwasser ein, während Sand und Bodenpartikel draußen bleiben sollen. Die Schlitzweite ist der Spalt, den ein Korn passieren müsste – bei uns wahlweise 0,5 mm oder je nach Variante 0,3 mm.
Der Zielkonflikt ist offensichtlich: Je enger die Schlitze, desto besser der Sandrückhalt – aber desto geringer die offene Fläche und damit der Wasserzustrom. Deshalb gilt: so eng wie nötig, so weit wie möglich.
Die Bodenart bestimmt die Schlitzweite
Entscheidend ist, was in deiner wasserführenden Schicht ansteht – nicht der Mutterboden oben, sondern das Material in der Tiefe, in der dein Filterrohr sitzen wird. Beim Plunschen oder Bohren siehst du das Material meterweise; heb dir Proben auf.
Feinsand → 0,3 mm
Rieselt dir das Bohrgut fast wie Zucker durch die Finger, hast du Feinsand (Korngröße grob 0,06–0,2 mm). Hier ist die 0,3-mm-Schlitzung die sichere Wahl, idealerweise kombiniert mit einer Filterkiesschüttung (dazu gleich mehr). Feinsand ist der klassische Problemboden: Mit 0,5 mm Schlitzweite wandert er munter ins Rohr.
Mittel- bis Grobsand und Kies → 0,5 mm
Fühlt sich das Material körnig an, sind einzelne Körner mit bloßem Auge gut erkennbar oder sind kleine Kiesel dabei, bist du mit 0,5 mm richtig. Das ist der Standardfall in den meisten sandig-kiesigen Grundwasserleitern in Deutschland – deshalb ist 0,5 mm auch die gängigste Schlitzweite und steckt in unseren 10-m-Komplettsets.
| Bodenart in der Wasserschicht | Kornbild | Empfohlene Schlitzweite |
|---|---|---|
| Feinsand | mehlig-zuckrig, Körner kaum einzeln erkennbar | 0,3 mm (+ feiner Filterkies) |
| Mittelsand | körnig, einzelne Körner sichtbar | 0,5 mm |
| Grobsand / Kies | deutlich körnig bis steinig | 0,5 mm |
| Schluff / Ton | schmierig, bindig | kein Wasserleiter – tiefer bohren |
Wichtig als ehrliche Einordnung: Das sind Faustregeln für den Gartenbrunnen im Selbstbau. Profis legen Schlitzweite und Kieskörnung über eine Siebanalyse aus – für einen Bewässerungsbrunnen reicht die Faustregel in aller Regel aus.
Das Zusammenspiel mit dem Filterkies
Die Schlitzweite arbeitet nie allein. Zwischen Bohrlochwand und Filterrohr gehört eine Schüttung aus Filterkies – gewaschener, gerundeter Quarzkies mit definierter Körnung. Er bildet die erste Filterstufe: Der Kies hält den Sand zurück, die Schlitze halten den Kies zurück.
Die Faustregel für die Abstimmung: Die Filterkies-Körnung sollte etwa das 1,5- bis 4-Fache der Schlitzweite betragen – vor allem darf das kleinste Korn nicht durch den Schlitz passen.
- 0,5 mm Schlitzweite: Filterkies 0,75–1,25 mm oder der sehr gängige 2,0–3,15 mm – beides bleibt sicher vor den Schlitzen liegen.
- 0,3 mm Schlitzweite: feiner Filterkies, z. B. 0,7–1,2 mm.
Beim Plunschen im nachrutschenden Rohr kannst du nicht immer sauber verkiesen – dann übernimmt der umgebende Boden selbst die Filterfunktion, und die korrekt gewählte Schlitzweite wird umso wichtiger.
Was passiert bei der falschen Wahl?
Schlitze zu weit: Der Brunnen sandet
Wählst du 0,5 mm im Feinsand, zieht jede Pumpenlaufzeit Sand ins Rohr. Die Folgen kommen schleichend, aber sicher:
- Sand wirkt in der Pumpe wie Schmirgelpapier – Laufräder und Dichtungen verschleißen, die Pumpe stirbt früh.
- Im Rohr wächst ein Sandsumpf, der die Filterstrecke von unten zusetzt.
- Im Extremfall bilden sich Hohlräume um das Rohr, der Boden sackt nach.
Schlitze zu eng: Zu wenig Wasser
Die 0,3-mm-Schlitzung im groben Kiesboden schadet dem Sandrückhalt nicht – aber sie verschenkt Eintrittsfläche. Der Brunnen liefert weniger Wasser, als die Schicht hergäbe, die Pumpe zieht den Wasserspiegel im Rohr schneller herunter und schaltet ggf. auf Trockenlauf. Zudem setzen sich enge Schlitze schneller mit Feinstteilen und Eisenocker zu. Ergebnis: ein Brunnen, der von Jahr zu Jahr müder wird.
Beides lässt sich nachträglich praktisch nicht beheben – das Filterrohr steckt in der Tiefe und bleibt dort. Deshalb lieber vorher zehn Minuten in die Bodenansprache investieren.
So findest du deine Bodenart heraus
- Bohrgut ansehen: Beim Vorbohren oder Plunschen alle 1–2 m eine Handvoll Material beiseitelegen und beschriften.
- Fingerprobe: Knirscht es körnig zwischen den Fingern → Sand/Kies. Schmiert es → Schluff/Ton (kein Wasserleiter).
- Glas-Test: Probe mit Wasser ins Schraubglas, schütteln, absetzen lassen. Grobes sinkt sofort, Feinsand braucht Sekunden, Trübes bleibt lange in Schwebe.
- Nachbarn fragen: Wer in der Straße schon einen Brunnen hat, kennt die Schichten. Auch die Bohrdatenbanken der Landesämter (Geoportale) helfen.
Unsere Empfehlung
Für die meisten Gartenbrunnen in sandig-kiesigen Böden ist das Filterrohr DN 100 mit 0,5 mm Schlitzweite die richtige Wahl – robust, mit guter Eintrittsfläche und unkritisch beim Filterkies. Nur bei eindeutigem Feinsand in der Wasserschicht greifst du zur 0,3-mm-Variante und stimmst den Filterkies entsprechend feiner ab.
Und wenn du dein Bohrgut in der Hand hast und trotzdem zweifelst: Schick uns ein Foto über die Kontaktseite – die Fachberatung kostet nichts, ein falsch gewähltes Filterrohr dagegen schon.