„Brauche ich Filterrohr oder Vollwandrohr?" — diese Frage bekommen wir in der Beratung ständig gestellt. Die ehrliche Antwort: Du brauchst beides. Ein funktionierender Brunnen besteht immer aus einer Kombination aus geschlitztem Filterrohr im Grundwasserbereich und geschlossenem Vollwandrohr darüber. Die eigentliche Frage ist also nicht „oder", sondern „wie viel wovon und in welcher Reihenfolge". Genau das klären wir in diesem Artikel — inklusive konkreter Beispielrechnungen mit echten Preisen.
Die beiden Rohrtypen kurz erklärt
Vollwandrohr: der dichte Schacht
Ein Vollwandrohr ist ein geschlossenes Rohr aus PVC-U (Hart-PVC) ohne Öffnungen. Seine Aufgabe: Es bildet den dichten Brunnenschacht von der Geländeoberkante bis hinunter zur Filterstrecke. Es hält Erdreich, Sand und vor allem Oberflächenwasser aus dem Brunnen fern — denn was von oben einsickert, kann Keime und Dünger mitbringen und gehört nicht ins Grundwasser. Außerdem ist das Vollwandrohr der Bereich, in dem später die Pumpe hängt.
Filterrohr: der Wassereintritt
Ein Filterrohr sieht auf den ersten Blick genauso aus, hat aber feine, präzise gefertigte Schlitze in der Rohrwand — bei uns standardmäßig 0,5 mm Schlitzweite, je nach Variante auch 0,3 mm für sehr feine Sande. Durch diese Schlitze strömt das Grundwasser ins Rohr, während Sand und Kies draußen bleiben. Das Filterrohr ist sozusagen das „Sieb" deines Brunnens und sitzt immer am unteren Ende des Rohrstrangs.
So ist der Rohrstrang aufgebaut
Von unten nach oben sieht ein typischer Bohrbrunnen so aus:
- Sohle / unterer Abschluss: Ganz unten wird der Strang in der Regel verschlossen (z. B. mit einer Bodenkappe) oder es wird ein kurzes Stück als Sandfang (Sumpfrohr) vorgesehen, in dem sich Feinstteile absetzen können. Zubehör wie Bodenkappen ist in unseren Sets übrigens nicht enthalten — plane das separat ein.
- Filterrohr: Meist 2 m bis 3 m geschlitzte Strecke, vollständig im Grundwasser.
- Vollwandrohre: Der komplette Rest bis zur Oberfläche.
- Brunnenkopf/Abdeckung: Oben, damit nichts ins Rohr fällt.
Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar: Filter unten, Vollwand oben. Ein Filterrohr im oberen Bereich wäre ein Einfallstor für Oberflächenwasser und Schmutz.
Praktischer Nebeneffekt unserer Rohre: Vollwand- und Filterrohre haben dieselbe einstückig angeformte Muffe mit Trapezgewinde. Du kannst beide Typen beliebig kombinieren und von Hand werkzeuglos verschrauben — kein Kleben, kein Nieten, kein Spezialwerkzeug. Als 1-m-Meterware bleibt der Strang zudem flexibel: Wird der Brunnen tiefer als geplant, schraubst du einfach einen Meter mehr an.
Die Faustregel: rund 2 bis 3 m Filterstrecke — vollständig im Grundwasser
Für private Garten- und Bewässerungsbrunnen hat sich als Faustregel bewährt: etwa 2 bis 3 m Filterstrecke, und zwar so tief gesetzt, dass sie auch im Sommer komplett unter dem Wasserspiegel liegt. Warum das so wichtig ist:
- Zu kurze oder halb trockene Filterstrecke: Der Wasserzustrom ist begrenzt. Steht ein Teil der Schlitze über dem (abgesenkten) Wasserspiegel, liefert dieser Teil schlicht nichts — der Brunnen „zieht Luft" und die Ergiebigkeit bricht ein.
- Wasserspiegel schwankt: Zwischen Frühjahr und Spätsommer kann der Grundwasserstand gut und gern einen Meter oder mehr absinken. Plane die Filterstrecke deshalb immer für den niedrigsten zu erwartenden Stand.
- Beim Pumpen sinkt der Spiegel zusätzlich: Rund um den Brunnen bildet sich beim Pumpen ein Absenktrichter. Auch dafür braucht die Filterstrecke Reserve nach oben.
Für normale Bewässerungszwecke reichen 2 m Filterstrecke in wasserführendem Sand oder Kies in der Regel gut aus. Bei sehr feinem, schwach durchlässigem Boden kann ein zusätzlicher Filtermeter sinnvoll sein — im Zweifel lieber vorher kurz durchrechnen lassen, die Fachberatung kostet bei uns nichts.
Warum die Pumpe nie im Filterrohr hängen darf
Der häufigste Planungsfehler beim ersten eigenen Brunnen: Die Tiefbrunnenpumpe wird so tief wie möglich gehängt — bis hinunter in die Filterstrecke. Klingt logisch („mehr Wasser über der Pumpe"), ist aber genau falsch. Drei Gründe:
- Sandzug: Direkt an den Schlitzen ist die Strömungsgeschwindigkeit am höchsten. Hängt die Pumpe dort, reißt sie Feinsand mit durch die Schlitze — der Sand schmirgelt Laufräder und Dichtungen kaputt und landet in deiner Bewässerung.
- Verwirbelung der Filterzone: Die Kiesschüttung und die natürliche Filterschicht um das Rohr werden ständig „aufgerührt", statt sich stabil zu setzen. Der Brunnen wird nie richtig sandfrei.
- Kühlung: Tiefbrunnenpumpen werden vom vorbeiströmenden Wasser gekühlt. Im Filterbereich strömt das Wasser radial von allen Seiten zu statt längs am Motor vorbei — die Kühlung ist schlechter.
Die Regel lautet deshalb: Die Pumpe hängt im Vollwandrohr, mindestens etwa 1 m oberhalb der Filterrohr-Oberkante. Gleichzeitig muss sie natürlich tief genug hängen, um auch bei abgesenktem Wasserspiegel sicher unter Wasser zu bleiben. Der Bereich dazwischen ist deine Einbauzone.
Typische Kombinationen je Bohrtiefe — mit Beispielrechnung
Wie viele Meter wovon? Hier eine Orientierung für gängige Bohrtiefen am Beispiel DN 100 (4 Zoll, Außendurchmesser ca. 113 mm — passend für 3-Zoll-Tiefbrunnenpumpen):
| Bohrtiefe | Filterrohr (0,5 mm) | Vollwandrohr | Typischer Fall |
|---|---|---|---|
| ca. 6 m | 2 m | 4 m | Hoher Grundwasserstand (ca. 2–3 m), oft noch mit Saugpumpe machbar |
| ca. 8 m | 2 m | 6 m | Grundwasser bei ca. 4–5 m |
| ca. 10 m | 2 m | 8 m | Der Klassiker — Grundwasser bei ca. 6–7 m |
| ca. 12 m | 2 m | 10 m | Tieferer Wasserspiegel, Tiefbrunnenpumpe Pflicht |
Fazit: Nicht „oder", sondern „unten und oben"
Merk dir drei Dinge: Erstens gehört das Filterrohr immer ganz nach unten und das Vollwandrohr darüber. Zweitens sollte die Filterstrecke — in der Regel rund 2 m — auch im trockensten Sommer vollständig im Grundwasser stehen. Drittens hängt die Pumpe niemals im Filterrohr, sondern mindestens etwa 1 m darüber im Vollwandbereich. Wenn du diese drei Regeln einhältst, hast du die häufigsten Brunnenprobleme — Sand im Wasser, einbrechende Ergiebigkeit, verschlissene Pumpen — von vornherein ausgeschlossen. Bei Fragen zu deiner konkreten Kombination hilft dir unsere kostenlose Fachberatung weiter.